www.sigisart.de


Zwei-Tages-Tour auf den Hochkönig, zum Franz-Eduard-Matras-Haus (2.941m) vom 15.-16.08.1998

1. Tag: Vom Arthurhaus (1.503m) über die Mitterfeldalm (1.670m) zum Hochkönig (2.941m)

Das Wochenende verspricht gutes Wetter und so machen Mutti und ich uns auf, den höchsten Berg des Berchtesgadener Landes, den Hochkönig zu besteigen.

Heute am 15.08. ist Maria Himmelfahrt, vor einem Jahr sind wir ins Steinerne Meer aufgebrochen.

Um 04.30 Uhr stehen wir auf und fahren um 05:00 Uhr bereits los, so dass wir über die Tauernautobahn, Bischofswiesen und Mühlbach bald am Arthurhaus (1.503m) sind.

Um kurz nach 06:30 Uhr geht es los und es stehen auch schon sehr viele Autos am Parkplatz, was auch zu erwarten war, am diesem Feiertagswochenende.

Also machen wir uns auch mit vielen Anderen auf Richtung Mitterfeldalm (1.670m).

Bei der Anfahrt haben wir von der Autobahn nicht zum Hochkönig sehen können, denn es liegt Bodennebel und auch unser erstes Wegstück zur Mitterfeldalm erfolgt im Nebel, so dass wir die Mandlwände nur hinter Nebelschwaden sehen können.

Aber die Mitterfeldalm liegt genau an der Nebelgrenze, d.h. oberhalb, und über uns erhebt sich ein strahlend blauer Sommermorgen.

Wir machen eine kurze Pause, ich ziehe mir meine kurzen Hosen an, wir trinken einen Becher Milch und gehen dann weiter.

Während wir Sicht aufs Tennengebirge und das Dachsteingebiet in der Rückschau haben, gehen wir zunächst über einen grünen Almboden und dann über Schotterfelder unterhalb der Gaisnase und dann an den wilden, zerfurchten Vierrinnenköpfen dem oberen Talschluß des oberen Hölltalgrabens zu.

Diese Eckpfeiler der Mandlwände sind gerade ins erste Sonnenlicht getaucht, als wir über begrüntes Schrofengelände in Serpentinen durchs untere Ochsenkar gehen.

Sehr markant ragt dabei vor uns die mächtige Torsäule (2.586m) auf, der wir uns immer mehr nähern.

 

 

Es sind sehr viele Leute unterwegs (ich sagte es schon!!), wir gehen langsam, machen mehrere kurze Pausen und genießen den schönen Tag.

Einige Kletterer überholen uns, die hier natürlich ein Dorado vorfinden.

Am Ende des unteren Ochsenkars kommen wir an die Vegetationsgrenze und der Weiterweg über das obere Ochsenkar führt direkt an der Torsäule vorbei, wo wir auch drei Seilschaften sehen, die sich diesen formschönen Gipfel vorgenommen haben. 

 

 

Als wir die Torsäule passiert haben, wird der Weg flacher und wechselt auf die andere Seite in die Schuttmulde unterhalb des Großen Bratschenkopfes.

Die für diesen Platz (Punkt 2.380 HM) angegebene Quelle ist ausgetrocknet, so dass wir unsere Wasservorräte nicht auffüllen können.

Also geht es über den sogenannten Schartensteig, wo wir erste Schneefelder sehen und queren und auch unsere Wasserflasche mit geschmolzenem, eiskalten Wasser auffüllen können. 

 

 

Wir gehen weiter bis wir um 12:00 Uhr kurz vor der Schrammbachscharte unsere Brotzeitpause einlegen.

Wir haben viele gute Sachen mitgebracht und so lassen wir es uns schmecken und trinken auch ein Dosen-Radler. Prima!

Nach einer halben Stunde Rast gehen wir weiter und kurz nachdem wir bei Punkt 2.715 HM (im Fels markiert) die Schrammbachscharte passiert haben, wird das erste Mal der Blick frei auf das Matras-Haus auf dem Gipfel des Hochkönig. 

 

 

 

 

 

Der ist aber noch ganz schön weit weg und so stapfen wir weiter und gelangen bald an den Beginn der sogenannten „Übergossenen Alm“, des einzigen Plateau-Gletschers der Ostalpen.

Die Schneefelder sind sehr geschrumpft, es gibt zwei Wege zum Gipfel, was aber nicht ausgeschildert ist und was wir mit der Zeit erst herausbekommen.

Der eine Weg führt über mehrere Schneefelder, der andere Weg, den wir nehmen führt in mühsamem Auf und Ab über die brüchigen Kalkfelsen. Aber auch wir queren mehrere größere Schneefelder, die in der Sonne ganz schön sulzig sind.

Der Gletscher ist viel, viel kleiner als wir gedacht haben und wir müssen auch lange nicht so viel über Schnee gehen wie gedacht. 

 

Der Weg zieht sich, unsere Kräfte erlahmen langsam, die letzte halbe – dreiviertel Stunde vergeht schleppend.

Kurz vor Erreichen der Hütte geht’s über das sogenannte „Klamml“, eine Steilstufe, die mit Eisentritten, Handlauf, Leiter und Brücke (!) entschärft ist.

 

Um 14:00 Uhr erreichen wir das Franz-Eduard-Matras-Haus auf dem Gipfel des Hochkönig (2.941m).

Wir sind sehr stolz und glücklich und zufrieden.

Die Hütte ist ein achteckiger Neubau von 1984/85, nachdem die Vorgängerhütte, die genau vor 100 Jahren, am 15.08.1898 eingeweiht worden ist, im Mai 1982 abgebrannt ist.

Leider ist am Gipfelaufbau, wo genügend Platz wäre, kein Gipfelkreuz, nur ein Blitzableiter, das ist schon enttäuschend.

Viele der Bergsteiger, die uns beim Hinaufgehen überholt haben, sind uns schon wieder beim Abstieg entgegengekommen, aber wir sind froh, hierbleiben und übernachten zu können.

Wir haben gute Sicht ins rund der Berchtesgadener Berge: vor uns liegt groß und zerklüftet das Steinerne Meer, aus dessen steinernen Wogen sich die Schönfeldspitze und der Große Hundstod markant heraushebt. 

 

Das mächtige, unwegsame Hagengebirge jenseits des dunklen Blühnbachtals mit den Teufelshörnern und dem Hohen Brett und dem Hohen Göll in weiter Ferne.

Wir machen auch den Hochkalter, den Watzmann, den Zwiesel und Hochstaufen und den Untersberg aus. 

 

 

Weiter sehen wir das Tennengebirge als wogende, steinerne Hochfläche, den Dachstein und, um das Rund zu beenden, die Kette der Hohen Tauern, vor denen sich die grünen, weichen Flächen der Dientener und Kitzbüheler Berge erheben. Ich erkenne z.B. den Hundsstein und die Schmittenhöhe über Zell am See. Auch Loferer und Leoganger Steinberge grüßen herüber. Aber direkt vor uns breitet sich der gewaltige, verkarstete Hochkönigstock mit der relativ kleinen „Übergossenen Alm“ aus.

Das Firnfeld erstreckt sich von Osten nach Westen vier Kilometer breit, in Süd – Ost – Richtung ist es aber nur noch 500 – 1000 Meter breit.

Seit 1888, also in 110 Jahren, ging die Gletscherfläche von 550 ha auf 149 ha zurück.

Jährlich schmilzt der Gletscher um etwa 1m in der Tiefe ab, so dass bei einer Tiefe von 20 Metern im östlichen Teil und 30-40 Metern im Hauptteil, die „Übergossene Alm“ bald verschwunden sein wird. Der Hauptteil dehnt sich, wie gesagt eher in westlicher Richtung aus und hier sehen wir auch den Randabsturz und Gletscherspalten.

Nachdem wir uns umgesehen haben, wollen wir unser Quartier sichern und erleben eine Überraschung: die Hütte gehört dem Österreichischen Touristen Klub (ÖTK) und mein AV-Ausweis würde nur mit einem zusätzlichen Papperl, das ich natürlich nicht habe, gelten. D.h. die Übernachtung wird erheblich teurer werden als gedacht. Den Platz im Lager bekommen wir sowieso nur, weil Mutti Seniorin ist. Alle anderen jungen Leute müssen bis zum Abend warten und teilen sich dann Notlager und den Gastraum, denn die Hütte wird total überfüllt sein. Nachdem das erst mal geklärt ist, kaufen wir uns ein Radler und setzen uns raus.

Am Nachmittag gehen wir noch zu einem namenlosen Nachbargipfelchen und sehen uns den Weg ins Birgkar an. 

 

 

Gegen 17:00 Uhr bewölkt sich der Himmel und am Abend gewittert es. Der Blitz schlägt dreimal neben der Hütte in den Blitzableiter ein und vorher, als wir noch draußen waren, sind uns die Haare zu Berg gestanden und die Kopfhaut hat gekribbelt von der elektrischen Aufladung.

Nach dem Abendessen relaxt Mutti im Bett, ich bin noch nicht müde und stehe an der Hüttentür und schaue zusammen mit Anderen hinaus in den Regen und den Blitz und Donner.

Meine mittlerweile im Gebirge gewonnene Erfahrung sagt mir, dass es morgen schon wieder ganz anders aussehen kann und so gehe ich ganz zufrieden mit dem heutigen Tag um 20:30 Uhr schlafen.

 

 


 

Diesen schönen Tag beschließe ich mit einem Photo Richtung Schönfeldspitze und beginne den nächsten Tag mit einem Blick zu Watzmann und Hochkalter.

 

 Zum nächsten Tag

 

balken.gif (7924 Byte)

Letztes Update: 21. Juli 2002 - Adresse dieser Seite: http://www.sigisart.de © 2002 by kdg